
Auch wenn Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von unschätzbarem Wert und durch nichts zu ersetzen sind, müssen wir uns leider damit abfinden, dass viele von ihnen aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr in der Lage sind, persönlich in Schulen oder Bildungseinrichtungen zu gehen. Als Lehrende in der politischen Bildungsarbeit haben wir uns in den letzten Jahren auf diesen Moment vorbereitet und zahlreiche Interviews durchgeführt und Dokumente zusammengetragen.
Vorgestellt werden hier Menschen, die aus verschiedenen Gründen vom NS-Regime verfolgt wurden und in verschiedenen Konzentrationslagern wie beispielsweise Bergen-Belsen, Westerbork, Ravensbrück oder Auschwitz inhaftiert waren. Sie erlebten die NS-Zeit zwischen 1933 bis 1945 als Kinder oder junge Erwachsene.
In den einzelnen Lernmodulen werden die Biografien der jeweiligen Personen zunächst kurz vorgestellt. Neben den nach Themen aufgeschlüsselten Interview-Sequenzen der Zeitzeug:innen werden weitere Materialien für die pädagogische Arbeit empfohlen.
Didaktische Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
Mithilfe dieser didaktisch aufbereiteten Video-Ausschnitte wollen wir Lehrenden sämtlicher Schulformen Materialien an die Hand geben, mit deren Hilfe sie das historische Lernen von Schülerinnen, Schülern und jungen Erwachsenen unterstützen und anregen können.
Gerade über Biografien, die anhand von konkreten Beispielen die Geschichte greifbar und erlebbar machen, eignen sich für die formale und nonformale Bildungsarbeit. Mithilfe der hier vorgestellten Ausschnitte aus den Interviews werden die Erzählungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen plastisch nachvollziehbar. Zudem können Lernende das System und die Ideologie des Nationalsozialismus anhand von einem/einer Zeitzeug:in aus einer konkreten Situation heraus verstehen.
Ein Vorteil der hier präsentierten Videos ist ein zeitlich unabhängiger Zugriff auf die Inhalte der Interviews im Rahmen von Unterrichtseinheiten. Es gibt die Möglichkeit, Inhalte mehrfach zu wiederholen und sie je nach Lerntempo und Vorwissen der Gruppe aufzubereiten. Zudem können sie mithilfe technischer Hilfsmittel wie Beamer einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden.
Es empfiehlt sich, eine Aufteilung der Inhalte in Lernsequenzen, die unter den jeweils vorgeschlagenen Übungen bearbeitet werden können. Es ist auch sinnvoll nach den einzelnen Videosequenzen Reflexionsphasen einzulegen, in denen die Zuschauer:innen ihre Eindrücke und Fragen äußern können.
Da die Themen Nationalsozialismus und Holocaust sehr komplex sind und nicht ohne eine angemessene Kontextualisierung vermittelt werden können, sollten die Videosequenzen nicht passiv konsumiert werden. Erfahrungsgemäß ergeben sich bei Schüler:innen zahlreiche Fragen, die besprochen werden müssten. Nicht selten kommt es nach der Auseinandersetzung mit den Grauen des Holocaust und der NS-Zeit zu empathischen Reaktionen, die ebenfalls aufgefangen und im Unterrichtsverlauf thematisiert werden sollten. Dies kann dazu beitragen, die historischen Inhalte zu festigen und zu vertiefen sowie das soziale Lernen und empathische Handeln einzuüben.